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Tropes vs Women in Video Games

Feminist Frequency Title

Egal ob Sexismus, Gewaltdarstellung oder Suchtpotenzial — die Spielerschaft scheint ein enormes Problem mit Selbstreflexion zu haben. Bereits die Ankündigung einer kritischen Position scheint auszureichen, um Foren, Kommentare und Blogs mit Hass und Missgunst zu füllen — so geschehen bei der Spendensammlung für eine Videoreihe zum Thema Frauendarstellung in Videospielen. Siegerin der unsäglichen “Debatte” war am Ende Anita Sarkeesian, die statt der angepeilten 6.000 $ Crowdfunding fast 160.000 $ für die Produktion ihrer Reihe bekam.

Nun ist mit Damsel in Distress: Part 1 der erste Teil erschienen. Es hat lange gedauert, ist sehr gut geworden, wichtig … und ein bisschen langweilig.

Der Einstieg mit Positivbeispiel und Anekdote, Herleitung des Damsel-Tropes, Etablierung von Frau Sarkeesian als echte Spielerin, Verweis auf Qualität und Bedeutung trotz sexistischer Darstellung, Komplexität der Damsel-Rolle, Einordnung in den gesellschaftlichen Kontext, Verzicht auf feministische Theorie, zahme Formulierungen, reichlich Spielsequenzen, saubere Montage… in 25 Minuten wird so ziemlich alles abgearbeitet, was möglich und vermutlich auch nötig ist, um einerseits zu informieren und sich andererseits gegen Kritik abzuschirmen.
Möchte man diese anbringen, dann vor allem von der formalen Seite. Sarkeesian bleibt ihrem Stil treu und doziert vor neutralem Hintergrund, unterbrochen von Spielszenen und illustriert von Charakterbildern. Das ist nicht nur schrecklich bieder, es trägt leider keine 24 Minuten. Man wünscht sich eine Interviewpartnerin, ein lockeres Gespräch, eine andere Szenerie, mehr Dynamik.

Wer die letzten 30 Jahre nicht mit geschlossenen Augen gespielt hat, der dürfte von den präsentierten Erkenntnissen natürlich nicht überrascht sein. Frauendarstellungen in Videospielen sind vielfach stereotyp und rückständig, das wussten wir auch vorher schon. Vielleicht war man sich nicht über die harte Linie bei Nintendo im klaren oder die enorme Verbreitung des Damsel-Tropes, aber dass der Ist-Zustand deprimierend ist, dürfte klar sein.
Darüber und über weitere Aspekte zwölf Videos zu produzieren, das mag müßig, langweilig und überflüssig wirken. Angesichts der gigantischen Zahl von Idioten, die sich im Zuge der Sexismus-Debatte hervorgetan haben, ist eine akribische Arbeit aber vielleicht genau das was fehlt. Fakten, die man in ihrem Umfang nicht wegdiskutieren kann und die die Selbstverständlichkeit zeigen, mit der Frauen in Videospielen als machtlose Objekte dargestellt werden. Das begleitende Tumbleblog ist deshalb vielleicht sogar eindrucksvoller, als das Video selbst.

Mal sehen, was die weiteren Teile bringen. Im Idealfall bietet Tropes vs Women in Video Games am Ende einen Anlaufpunkt für Spieler und Spieledesigner gleichermaßen: “Schau dir potenzielle Probleme an, vielleicht kannst du in deinem Spiel ein paar davon vermeiden. Entdecke eine neue Perspektive auf dein Lieblingsspiel, auch wenn sie dir vielleicht nicht gefällt. Lerne, dass es Frauen gibt, denen Videospielkultur genau so wichtig sind wie dir und dass sie ein gleichberechtigter Teil davon sein möchten – und das Recht dazu haben, ihn einzufordern.”

3 Kommentare zu “Tropes vs Women in Video Games”

  1. Trollisgonnatroll
    1

    Samenspende? Achso Spendensamlung! habischmischverlesn

  2. molosovsky
    2

    Gerade der trockene, *langweilige* Vortrag gefällt mir sehr gut. Schöner Kontrast zu den sonstigen audiovisuellen Darstellungs- & Didaktikmoden (Edutainment kann mir mal an die Füße fassen). Finde es lobenswert, dass nicht gesprungen, unnötig dynamisiert wird, sondern eben ein Gedankenstrang fein konsequent durchgezogen wird.

    Was mir allerdings fehlt ist hie & da ein wenig (Selbst)Humor, den Frau Sarkeesian bisweilen schon gezeigt hat (z.B. ihre Besprechung der “The Hunger Games”-Bücher nebst Verfilmung).

  3. Lars
    3

    Ich muss sagen, mir gefällt der eher trockene Vortrag auch ganz gut, ich weiss aber natürlich nicht, wie das bei denjenigen aussieht, die hier mit Fakten versorgt (und eventuell erstmal auf die Probleme aufmerksam gemacht) werden sollen. Gerade die Abwesenheit tiefergehender feministischer Theorien dürfte eher ein Vorteil sein, wenn man Unschlüssige und Schwankende erreichen möchte.
    Der erste Teil ist schonmal sehr vielversprechend, mal sehen, was da noch so kommt.

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