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Interview: Christian Schiffer – WASD-Herausgeber

Interview: Christian Schiffer (WASD)

Morgen erscheint die erste Ausgabe der WASD — ein neues Spielemagazin, das intensiver als die GEE und ironischer als die Kill Screen versuchen will, das …………………………….. Spielemagazin aller Zeiten zu werden. Der Gründer ist Hörfunkjournalist Christian Schiffer. Manu hat in seinem Frühstücks-Podcast ausführlich mit ihm über die Magazingründung gesprochen. Die wichtigsten Fragen und Antworten findet ihr hier in Schriftform.


WASD heißt das Projekt, über das wir heute sprechen wollen. Du hast die verrückte Idee gehabt, ein Spielemagazin zu machen — aber nicht wie man das vom Kiosk kennt mit buntem Cover, leichtbekleideten Menschen und Heftcover-DVD, richtig? Was genau hast du vor?

Die WASD ist ein Bookzine. Eine Mischung aus Magazin und Buch. Ökonomisch gesehen ist das völliger Wahnsinn. Es gibt nicht umsonst so wenige Bookzines auf dem Markt, sondern entweder Magazine oder Bücher. Das liegt einfach daran, dass dieses Format die schlechtesten Sachen aus beiden Welten vereint: Man hat keine Werbung, nimmt folglich darüber kein Geld ein und hat eine relativ geringe Auflage – das kommt aus dem Bereich ‘Buch’. Aber dann ist das gestaltet wie ein Magazin, was wiederrum viel Geld kostet. Ich habe mich trotzdem dafür entschieden, weil ich solche Bookzines einfach gerne mag. Ich finde es toll, sowas in der Hand zu halten, was man schön in sein Bücherregal stellen kann. Etwas, in dem man gerne schmökert und was man sich gerne anschaut.


Wie bist du als Radiomensch auf die Idee gekommen so ein Print-Projekt zu starten?

Computerspielhefte haben mich immer begleitet. Ich habe immer noch eine legendäre PowerPlay-Ausgabe zu Hause von ’91, in der Monkey Island 2, Populous 2 und ich glaube Falcon 3.0 und Civilization 1 drin sind. In einer Ausgabe. Unfassbar eigentlich. Ich liebe das! Es war also tatsächlich ganz einfach die Idee, mal ein anderes Games-Magazin zu machen. So wie ich es gerne lesen würde. Ich habe Computerspielezeitschriften immer verfolgt in den letzten 25 Jahren und vielleicht hat das die ausschlaggebende Rolle gespielt, dass ich gesagt habe, ich mache das jetzt auch.


Was unterscheidet die WASD von Formaten wie der GEE oder der Kill Screen, die ja in eine ähnliche Richtung gehen?

In der WASD werden Computerspiele auch ein wenig ironisch behandelt. Ein bisschen wie in der 11 Freunde, wo nicht bierernst die ganze Zeit darüber gesprochen wird, welche Zweikampf-Bilanz der defensive Mittelfeldspieler XY hatte, sondern wo auch mal ein Text über Pinkelpausen bei Auswärtsspielen erscheint. So ein bisschen in die Richtung geht es in der WASD auch, aber eben nur zum Teil. In der jetztigen Ausgabe habe ich mir zum Beispiel jemanden genommen, der Null Ahnung hat von Computerspielen und der durfte dann Battlefield 3 rezensieren.


Warum braucht die deutsche Presselandschaft die WASD?

Gute Frage. Erstaunlicherweise ist die deutsche Presselandschaft bisher ja auch ohne die WASD einigermaßen klargekommen. Allerdings ist der Durchschnittsgamer heute älter als vor zehn Jahren und hat vielleicht ein anderes Bedürfnis hinsichtlich Information und Ästhetik. Er interessiert sich vielleicht nicht mehr nur dafür, ob ein Spiel eine gute Wertung bekommen hat oder das Skillsystem in Diablo 3 jetzt gut ist oder nicht (meiner bescheidenen Meinung nach ist es vollkommen Panne). Die WASD spricht Gamer an, die sich für Computerspiele aus einer kulturellen Perspektive interessieren und auch mal über ihr Hobby lachen können.


Was stört dich an der bisherigen Auswahl, was vermisst Du?

Es stört mich gar nicht so viel. Ich bin auch keiner derjenigen, der über die gängigen Testmagazine die Nase rümpft. Tatsächlich habe ich jedes von den 2837 Diablo 3-Previews in der Gamestar gelesen. Ich bin ein großer Fans der Lupenfunktion, mit der Ausschnitte aus Screenshots hervorgehoben werden, auch den Spielspaßgraphen halte ich für eine große Errungenschaft. Ich will zum Beispiel jetzt auch alles über diese neue Civilization-Erweiterung wissen. Alles. Jedes Detail. Die sollen mir in der kommenden Ausgabe mal schön in tabellarischer Form die Fähigkeiten der neuen Einheiten näherbringen. Nur : Das ist für mich nicht alles. Ich will über Spiele auch mal in anderer Form lesen und deswegen habe ich die WASD gegründet, damit man das alle paar Monate mal tun kann. In der aktuellen Ausgabe gibt es z.B. Einen Beitrag, der Civilization aus politischer Sicht beleuchtet. Der Trend geht zum Zweit-Magazin. Auch wenn das Magazin in diesem Fall ein Bookzine ist.


Wie bist du auf die Autoren gekommen? Das ganze Heft besteht aus mehr oder weniger bekannten freien Journalisten und Bloggern. Wie bist du da vorgegangen in deiner Auswahl?

Zuerst habe ich mich in der Kneipe mit Christian Schmidt getroffen, der ja früher bei der GameStar gearbeitet hat. Das war tatsächlich ein Autor, den ich immer wahnsinnig gerne gelesen habe, der für mich einer der wesentlichen Gründe war, die Gamestar zu kaufen. Als die GEE aufgehört hat, zumindest in Print-Form (Anm.: Naja, nicht ganz) und dann Christian Schmidt auch noch von der GameStar gegangen ist, bin ich echt ein bisschen verzweifelt. Darum hab ich mich mit ihm zusammengesetzt und er hat gesagt, er schreibt für die WASD. Das war für mich eine ganz wesentliche Vorraussetzung und damit war auch schon der erste Autor gewonnen.

Danach bin ich so vorgegangen, dass ich Leute angeschrieben habe, die ich mal kennengelernt habe oder von denen ich mal Texte gelesen habe, die mir gut gefallen haben. Das betrifft dann vor allem die Blogger, aber auch andere Leute. Dann passierte aber was anderes und zwar, dass mich plötzlich Leute gefragt haben, ob sie auch für das Heft schreiben dürfen. Und plötzlich habe ich dann irgendwelche Leseproben bekommen, die ich mir angeschaut habe und dann durfte ich ganz gönnerhaft sagen: ‘Ja, du darfst jetzt hier honorarfrei erstmal für die WASD schreiben.’

Jetzt sind es zweihundert Seiten ohne Werbung. Ich musste am Ende auch den einen oder anderen Artikel kürzen, was immer wehtut und ich musste meinen eigenen Artikel rausschmeißen. Das war der erste von dem man sich trennen kann.


Hast du das Projekt alleine gestemmt oder hast Du Dir Hilfe dazu geholt? Du hast Designer und Fotografen dazugenommen, wenn ich das richtig verstehe?

Ja, also eine Freundin hat die Fotos gemacht. Das Layout hat auch ein Freund gemacht. Das ist sehr gelungen, wie ich finde. Der hat auch Geld dafür bekommen, es aber etwas günstiger gemacht. Aber ja, tatsächlich ist das ein Ein-Mann-Projekt mit ehrenamtlicher Hilfe von Freunden.


Wie hast du das finanziert? Du hast gesagt, die Autoren haben alle ehrenamtlich geschrieben?

Finanziert habe ich das aus eigener Tasche. Die WASD, wie sie jetzt rauskommt, hat einen fünfstelligen Betrag gekostet. Ein sehr niedriger fünfstelliger Betrag, aber das klingt natürlich total geil, zu sagen, es ist ein fünfstelliger Betrag. Man kommt sich geil vor und lügt nicht einmal dabei. Aber ja: Natürlich hat das Geld gekostet und da hängt auch ein bisschen die Frage dran, ob es eine zweite Ausgabe gibt. Zu den Autoren muss man sagen: Ich bin selber Journalist und ich lebe davon, dass ich Geld für meine Beiträge bekomme und deswegen ist das so, dass, sollte sich die WASD verkaufen, also ca. die Hälfte der Auflage, dann wird es auch eine Vergütung geben. Ein kleines Zeilengeld, wovon man jetzt nicht reich wird, aber was zumindest eine Anerkennung sein soll für die Leute, die mitgeschrieben haben.

Ein großer Teil sind natürlich die Layoutkosten. Dann muss man sich auch noch ISBN-Nummern dazukaufen!? Das sind diese Nummern hinten drauf, falls sich das mal eine Bücherei bestellen will. Das ist dann auch ganz wirr. Eine kostet 80 Euro, aber 10 im Paket kosten dann nur 130 Euro. Dann kauft man halt 10, obwohl man nicht weiß ob man je 10 Bücher rausbringen wird.

Dann die Druckkosten natürlich. Das ist ein Vierfarbdruck, das kostet ordentlich Geld und ich wollte auch ein wertiges Papier haben. Ich will auch gar nicht rumjammern. Ich wollte ein wertiges Heft – das ist es auch – und deswegen kostet das dann auch entsprechend.


Was muss passieren, damit es eine zweite Ausgabe gibt? Hängt es nur an den Verkaufszahlen oder hast du schon konkrete Pläne, unter welchen Vorraussetzungen du dich an die zweite Ausgabe machen wirst?

Das hängt natürlich in erster Linie am Verkauf. Es kostet einfach Geld, so ein Heft zu finanzieren und die Rechnungen müssen bezahlt werden. Allerdings möchte ich auf jeden Fall noch so ein Heft machen, weil ich sehr viele Ideen gesammelt, und viele Dinge im Verlauf der Entwicklung gesehen habe, die man noch verbessern kann. Ich habe da auf jeden Fall Blut geleckt und daher überlege ich mir auch, falls es jetzt “nur” 3000-5000 EUR Miese machen sollte, wäre das erstmal ok. Ich würde mir dann vielleicht überlegen, z.B. über Crowdfunding zu versuchen, eine zweite Auflage vorzufinanzieren. Ich würde das schon sehr, sehr gerne machen.


Du setzt komplett auf Print und hast nur ein PDF als Vorschau, aber keinen direkten Download. Es gibt keine eBook- oder iPad-Ausgabe. Warum nicht?

Ich habe beschlossen, die komplette Ausgabe in einer geringen Auflösung zum Durchblättern auf der Webseite anzubieten. Ich finde, man sollte das Heft ruhig vorher sehen, bevor man es kauft und sich einen Eindruck verschaffen können. Eine eBook-Ausgabe kann in Zukunft gut kommen, das ist ja auch nicht so ein großer Aufwand. Eine spezielle, interaktive iPad-Ausgabe ist natürlich etwas mehr Aufwand, ich finde die Möglichkeiten aber hochspannend, um z.B. Videos oder Audio miteinbinden zu können. Über solche Sachen denke ich nach, genauso, wie das Heft übersetzen zu lassen um es dann für den weltweiten Markt als eBook anzubieten. Die Ideen sind da, aber man muss jetzt erstmal sehen, wie die Print-Version ankommt.


Das ganze Heft steht unter dem Überthema “Tasty Trash” – Welche Artikel sollte man sich anschauen, wenn man in das Heft reinlesen möchte?

Ich kann mehrere Artikel uneingeschränkt empfehlen. Zum ersten natürlich den Artikel von Christian Schmidt, der sich darüber wundert, warum manche Trash-Filme von Fans gefeiert werden, bei Spielen das Phänomen aber nicht auftritt. Warum schlechte Spiele einfach nur gehasst werden, aber nicht als Trash gefeiert werden. Ein zweiter Tipp: Eine Trine 2-Rezension von Rieke Kampen, einer befreundeten Biologin, die den Text aufgezogen hat wie eine Seminararbeit, als wären die Kreaturen und seltsamen Wesen in der Welt von Trine biologische Experimente und Anschauungsobjekte. Aber das sind nur zwei Beispiele, da sind viele tolle Sachen dabei.


Danke für das Interview und alles erdenklich Gute zum Start!

Wenn Ihr Christian wieder Platz im Wohnzimmer verschaffen wollt, könnt Ihr die Erstausgabe der WASD für 14,90 EUR direkt über die Webseite beziehen. Ihr solltet das tun.

5 Kommentare zu “Interview: Christian Schiffer – WASD-Herausgeber”

  1. Stantom
    1

    Gekauft. 17,90 per paypal, hust, hust, aber wir verdienen ja. Mal sehen… Bin gespannt…

  2. jojoschi
    2

    “Server too busy” … aber theoretisch gekauft.

  3. derwen
    3

    penibelei muss sein: bitte vorraussetzungen ein r amputieren! :-p

  4. SADÖFPOIHASG
    4

    Ich hätte mal lieber einen anstädigen deutschen Versuch für eine PCXL (RIP.) Gab’s immer nur in Ansätzen, aber nie fertig durchdacht.

  5. PlayStar
    5

    Ich habe schon 110 Förderausgaben bestellt. Bin jetzt arm -- Unterstützt daher meine Kickstarter-Kampagne!

6 Trackbacks zu “Interview: Christian Schiffer – WASD-Herausgeber”

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