Superlevel

GDC 2013: Interview mit Robert Glashüttner

“Ich glaube nicht, dass ich mit Dota warm werde.”

Die GDC ist nicht nur großartig, um sich mit Spieleentwicklern zu treffen, sondern auch eine gute Gelegenheit, mit Journalistenkollegen zu plaudern. Ich war also besonders froh, Robert Glashüttner von FM4 zu treffen. Glashüttner gehört zu den besten deutschsprachigen Videospielautoren und ist dank seines betörendem Wiener Akzent ein wunderbarer Gesprächspartner.

Das komplette Interview gibt es als Audiomitschnitt im GDC-Blog — und da sind dann auch die kleinen, schmutzigen Details zu hören, etwa wie Superlevel-Lieblingsspieletourist und Glashüttner-Kumpel Rainer Sigl Spiele wirklich spielt.


Hallo, Robert Glashüttner. Was machst du hier überhaupt?

Ich bin jetzt zum dritten Mal auf der GDC und zum ersten Mal drehe ich hier fürs Fernsehen, für den Österreichischen Rundfunk (ORF) und natürlich auch für Radio FM4. Das ist ein Standard für mich. GDC ist aufregend, es gibt immer viel zu tun. Es gibt viele Lectures und Vorträge, die zur selben Zeit sind, wo man sich drei- oder vierteilen müsste, um sich das alles anzuhören. Es wird aber nie langweilig. Das ist der Kern des westlichen Entwicklertums und alle sind da. Außer die, die nicht da sind, weil sie es sich nicht leisten können. Denn es ist auch sehr teuer, vor allem für Spieleentwickler. Wir Journalisten haben ja das Glück, uns akkreditieren zu können und keine 900 Dollar zu zahlen.


Stimmt, dafür will dann aber auch niemand mehr mit uns reden.

Das stimmt, das haben wir heute erfahren. Wenn Presse auf dem GDC-Ausweis steht, dann drehen sich alle um und machen den Mund nicht mehr auf. Aber es ist so wie überall. Entweder man hängt sich an irgendwelche Parties dran oder an Gruppen und man versucht “down zu sein” mit den Devs. Oder man geht den offiziellen Weg und macht normale Interviews. Ich versuche ja ganz normal Interviews zu vereinbaren und dann aber im offiziellen Gespräch eine Situation aufzubauen, die dann nicht nur Skepsis bei meinem Gegenüber hervorruft. Ich finde beide Wege okay. Wenn man den informellen Weg bevorzugt, den ja du ein bisschen gehen willst, Dennis, warum nicht?


Wird man die Sachen, die du machst auch online nachverfolgen können?

Es ist schon noch so, dass ich für FM4 schreibe. Ich werde tatsächlich nur wenig Zeit haben, so richtig zu bloggen. Aber am 13. April , das ist ein Samstag, da gibt es dann auf ORF1 im Fernsehen am frühen Abend im Newton in Bild und Ton zu sehen. Und darauf werde ich mich jetzt spezialisieren. Die Zeit vergeht so schnell. Der Messetag beginnt um 9:30 und um 18:00 Uhr ist es schon wieder vorbei. Und so wie du ja auch, habe ich jetzt schon so um die zehn Interviews geplant. Und mit Film-Crew ist das ja immer schwierig. Wo gehen wir hin, was ist ein hübscher Hintergrund, was filmen wir noch?


Gibt es etwas, worauf du dich dieses Jahr besonders freust?

Also ich habe noch nie bei der GDC Schwerpunkte erkannt. Ich habe auch nie das Gefühl gehabt, es ginge dieses Jahr um dieses oder jenes. Es gibt immer diese Summits. Die A.I. Summits, die Education Summits und natürlich der Indie Games Summit, der bei mir immer einer der Höhepunkte der GDC ist. Das finde ich ja ganz interessant, weil die GDC so ‘Big-Business-mäßig’ strukturiert ist, typisch USA. Aber gleichzeitig ist da dieser große Indiegames-Schwerpunkt. Das finde ich gut, dass es dieses Widersprüche gibt, diese Gegensätze.

Und beim Indie Games Summit ist es auch oft so, dass die Indies oft gegen die Industrie bashen, obwohl die Industrie sie unterstützt. So wie es sein sollte. Sehr demokratisch auch. Das gefällt mir gut, immer ein Höhepunkt. Und natürlich auch am Mittwoch, die große Indie Games Awardshow. Die IGF. Da muss man immer früh herkommen, um einen Sitzplatz zu ergattern. Das ist immer schön zu sehen, wie die Geeks sich in den Anzug zwängen müssen und dann noch eine Krawatte, und wir müssen jetzt eine Show machen. Krampfig ist das, aber auf eine charmante Weise.


Hast du eine Krawatte dabei? Ich hab keine Krawatte dabei!

Nein, nein, nein. Wir sitzen ja nur im Publikum, ich glaube nicht, dass uns jemand wählt, nur weil wir tolle Journalisten sind. Aber das ist typisch USA. Jeder muss eine Show machen können, expressiv sein. Und das sind Game-Devs eben nicht immer. Aber irgendwie schaffen sie es dann doch. Und Amerikaner sind auch immer so eloquent. Das ist denen in die Wiege gelegt, dass man Showman oder Showwoman sein muss. Selbst wenn man ein schüchterner Spieleentwickler ist, muss man bei der IGF nach außen gehen.


Hast du dieses Jahr einen Favoriten, der besonders interessant ist?

Es gibt viele interessante Dinge. Ich finde besonders gut: Tobias Neukomm, der hat LiquidSketch gemacht.


Ah, großartiges Spiel für das iPad, ja.

Genau, der ist auch nominiert und das würde ich gut finden. Patriotismus ist das falsche Wort. Aber irgendwie so… Schweiz, deutschsprachig. Und das ist ein sehr interessantes Spieleprojekt. Ein Mathestudent ist das. Es wäre schön, wenn er damit was gewinnen würde. Es gibt aber immer so viele Einreichungen. Die meisten sind interessant.

Es ist auch oft so, dass da Games dabei sind, die man schon abgehakt hat. Vor fünf Monaten haben wir es alle gespielt, haben alle darüber geschrieben und — ach so, jetzt ist es wieder da?


Das finde ich erstaunlich dieses Jahr, dass sehr viele Sachen schon draußen sind. Davor war es ja so, dass es oft Spiele waren, die nie jemand zu Gesicht bekommen hat außer ausgewählte Presseleute und Entwicklerfreunde.

Das stimmt. Das war früher so bei der IGF, dass Spiele nominiert wurden, die erst ein halbes Jahr später erscheinen. Und jetzt ist es nicht unbedingt umgekehrt, aber einige Titel sind schon bekannt. Ich weiß nicht, was rein strategisch nützlicher ist. Rein von der Vorfreude ist es vielleicht interessanter, wenn wirklich Dinge und Spiele nominiert werden, die noch rauskommen, die für jeden noch neu sind. Und so hat das was von typischen Awards. Spiele, die wir eh schon alle kennen. Jetzt werden sie nur offiziell nominiert und ausgezeichnet und das ist okay. Aber ich glaube, das IGF macht schon eine ganz gute Mischung aus beidem.


Du meintest, man muss früh da sein. Wie früh muss man da sein?

Um 18:30 beginnt es ja. Und es gibt schon eine Schlange, es ist ja offen für alle Pass-Holder. Es gibt bei der GDC unterschiedliche Pässe. Press Pass und Developer Pass Super Überdrüber und Developer Pass Standard und Exhibitor und was weiß ich noch alles. Und da kann jeder und jede rein in die IGF, aber irgendwann ist einfach kein Platz mehr. Das ist aber schon ein großer Saal und in bisschen aufgezogen wie so die Oscars. Man kann aber auch in der Ecke rumstehen, wenn man keinen Platz bekommt, aber das ist so ein bisschen wie im Hörsaal beim Kommunikationswissenschaftsstudium. Irgendwie auch unglamourös. Man will ja auch sitzen und sich nicht den Rücken verrenken lassen. Ich würde vorschlagen: 18 Uhr, 18 Uhr in die Schlange stellen.


Dann sehen wir uns ja um 18 Uhr in der Schlange.

18 Uhr am Mittwoch. Montag und Dienstag sind ja die Summits und ab Mittwoch dann immer der IGF Pavillon, wo man die ganzen Indiegames anspielen kann. Das ist auch immer schön, dass es für jedes IGF-Spiel einen eigenen Messestand gibt. Da steht dann auch der jeweilige Spieleentwickler und man kann mit denen reden. Das ist immer sehr niederschwellig.


Und danach hast du wieder Zeit für Dota 2?

Ich bin jetzt ein bisschen concerned. Ich glaube nicht, dass ich mit Dota warm werde. League of Legends habe ich jetzt noch nicht probiert. Ich habe aber neulich mit einem League of Legends-Spieler ein Interview geführt, darüber, was die Magie von MOBAs ist.


Wie dekliniert man MOBA?

Das war der falsche Fall. Also diese MOBAs… ich bin ein bisschen skeptisch. Jetzt ist es echt so, dass DOTA 2 die Popularität von StarCraft 2 annagt. Für mich als StarCraft-Spieler geht das gar nicht! Sogar die Barcrafts in Wien beginnen jetzt, DOTA 2 Turniere zu zeigen. Also… nein, nein, nein! Bitte weiter StarCraft 2 spielen und ich hoffe, dass dieser MOBA-Hype an uns vorbeizieht.


Naja, es ist schon jetzt das meistgespielte Spiel auf Steam. Über dem Fußballmanager.

Weißt du warum? Weil du doch dauernd irgendwelche Einladungen bekommst, wenn du einmal DOTA 2 installiert und gespielst hast. Und dann wirbst du noch einen Helden und der darf das nochmal probieren. Ich will das alles nicht!

3 Kommentare zu “GDC 2013: Interview mit Robert Glashüttner”

  1. Fabu
    1

    Sypathischer Kerl.

    (Und Robert ist auch ganz in Ordnung.)

  2. Dodg3r
    2

    Cooles Interview. Bei Starcraft wird man auch von weniger Spielern angebrüllt :D

  3. mandaya
    3

    Hahaha, da schickt man die Jungs in die USA, bezahlt einem davon die Reise, damit er die schmutzigen Details aufdeckt, und das tratschen die Buben über .. mich. <3
    Na, dann muss ich mich halt outen: Nicht nur, dass ich, wie im Interview behauptet, alles auf Easy spiele, ich belasse es meist sogar dabei, nur den Packungstext zu lesen oder mir einfach was auszudenken und stattdessen lange Spaziergänge zu machen! Fällt eh keinem auf! Mwuahahhhhhaaaaa!

2 Trackbacks zu “GDC 2013: Interview mit Robert Glashüttner”

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