Superlevel

Das Radiorollenspiel

Das Radiorollenspiel

Hörspiele lassen ganze Welten mit wunderbaren Klängen zwischen unseren Ohren lebendig werden — schade nur, dass sie dabei als vorproduzierte, starre Geschichten im Hörfunk oder auf dem eingestaubten Magnetband im Kasten unterm Bett keinerlei Möglichkeit bieten, ins Geschehen einzugreifen. „Warum nicht beides,“ dachte sich Moderator und Geschichtenerzähler Marcus Richter, der die hochwertig produzierte Audio-Aufnahme mit der Freiheit, beliebig in dieser zu handeln, zu einem schwarmfinanzierten Radiorollenspiel verbinden möchte.

Der wesentliche Reiz klassischer, mit Stift und Papier gespielter Rollenspiele wie Dungeons & Dragons, besteht in ihrer Fähigkeit, Spielwelten abzubilden (beispielsweise durch… Verliese und Drachen), die Spielern nicht bloß als schicke Tapete im Hintergrund sondern vielmehr als gigantische Bühnen dienen. Charaktere und ihre Persönlichkeiten werden erdacht und gemimt, ihre Handlungen erzählt, die umgebende Spielwelt durchwandert, erlebt und manipuliert. Im Radiorollenspiel soll diese Form der interaktiven Fiktion in hörbarer Form fürs Radio nachempfunden werden.

Ziel der zweistündigen Sendung wird es sein, eine Geschichte zu erzählen, deren Verlauf maßgeblich durch ihre Hörer, welche die Hauptrollen einnehmen, beeinflusst wird. Eine Ausgangssituation wird vorgegeben, alles weitere hängt vollkommen von der Fantasie der Anrufer ab. Ihre Entscheidungen sind dabei nicht auf die Auswahl des nächsten Handlungsstranges beschränkt, sondern völlig frei bestimmbar — sei es durch emotionale und moralische Kriterien oder Charakterzüge der gespielten Figur.

Ginge es nach mir, wären heute ganze Podcast-Archive mit interaktiven Audiogeschichten gefüllt. Damit die Synthese aus Hör- und Rollenspiel in dieser Form aber in die Tat umgesetzt werden kann, bedarf es ungeheuren Zeit- und Arbeitsaufwands, der mit entsprechenden Kosten verbunden ist. Eine Spielwelt mit Hintergrundgeschichte, in der sich Spieler frei bewegen können, muss konzipiert, ein Soundtrack komponiert und eine Soundeffekt-Sammlung für alle erdenklichen Aktionen und Situationen angelegt werden. Hinzu kommen der Dungeon Master Erzähler, einige Sprecher für Nebenrollen und die Tontechnik.

Für experimentelle Projekte wie dieses ist es in den festgefahrenen, konventionellen Strukturen des Radios schwierig, an ausreichendes Budget zu gelangen, wodurch die Überlebenschance ernstzunehmender Anläufe gegen null geht. Den passenden Sender samt Sendeplatz hat das Radiorollenspiel glücklicherweise bereits gefunden, zur eigentlichen Produktion fehlen aber noch gute 3000 Euro, die Marcus und sein Team zur Zeit über die Crowdfunding-Plattform startnext sammeln.

Ich gebe gerne zu, dass ich das Radiorollenspiel unter anderem deshalb an dieser Stelle erwähne, weil Herr M. mitunter in Superlevel-ansässigen Aufnahmen zu hören ist. Mein Glauben an das Projekt wird aber vor allem dadurch bestärkt, dass der Mann mit der Radiokehle und sein Team das richtige Händen (und die richtigen Stimmbänder) für das haben, was mit ausreichender Unterstützung zwischen Musik und Reportagen einen frischen Wind durch den Äther jagen könnte.

Wer sich für das akustische RPG begeistern kann und bereit ist, seine Geldbörse in Richtung der Monoxyd’schen Machenschaften zu strecken, investiert nämlich nicht nur in ein einzelnes, anhörbares Produkt: Ein erfolgreiches Funding würde gleichzeitig ein Zeichen für die Zukunft setzen und sowohl Hörern als auch hohen Tieren auf den Spitzen deutscher Funkmasten beweisen, dass ein Publikum für außergewöhnliche Formate wie dieses, das es so noch nie gab, existiert. Und sollte das angepeilte Ziel von 3333 Euro überschritten werden, fließt jeder zusätzliche Euro in die Erstellung weiterer Folgen.

Wäre dieser Beitrag ein Hörspiel, würde der Erzähler jetzt dramatisch den leuchtend-blauen Knopf beschreiben, mit dem dieser Artikel veröffentlicht wird und das Radiorollenspiel hoffentlich etwas mehr Unterstützung erfährt. Mein Charakter, ausnahmsweise kein Bösewicht, würde sich kurz unter der Cyberpunk-Holo-Brille am Kopf kratzen und ihn mit dem knöchernen Zeigefinger drücken.


Das Radiorollenspiel kann noch bis zum 14.04.2013 via startnext unterstützt werden.

2 Kommentare zu “Das Radiorollenspiel”

  1. Monoxyd
    1

    Schiebung! Ausverkauf! Da stimmt doch was nicht! Wer ist dieser komische Typ überhaupt!?

    (<3)

  2. Erik
    2

    Klingt nett(TM). Ich werde das Projekt mal unterstützen.

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