Superlevel

Re: Mari0

Mein Lieblingsblogger schrieb vor einem halben Jahr:

“Mit dem Namen Maurice Guégan werden vermutlich die wenigsten von euch etwas anfangen können, aber vielleicht hat manch einer bereits mit seinem Spiel Not Tetris 2 Bekanntschaft gemacht. Sollte dem nicht so sein, dürft ihr das gerne nachholen. Tetris plus Physik gleich gut. Interessanter finde ich jedoch Maurice’ neues Projekt Mari0, ein Mashup aus Mario und Portal, das gerade munter von Blog zu Blog gereicht wird.”

Und kaum verschwand das spannende Stück Software gänzlich aus meinem Gedächtnis, vermeldet der Entwickler die Fertigstellung. Jawohl, Mari0 steht seit heute für PC, Mac und Linux zum kostenlosen Download bereit. Wer nun eine gewisse Vorfreude verspürt, sollte diese auf gar keinen Fall unterdrücken, denn Mari0 ist das mit Abstand beste Mario-Spiel, das Shigeru Miyamoto niemals machte.

Anstatt in den Originaldaten von Super Mario Bros. (1985) rumzudoktern, rekonstruierte Maurice Guégan den Jump’n’Run-Klassiker mit Hilfe des 2D-Frameworks LÖVE von Grund auf neu. Und man merkt an jeder Ecke, dass es sich hier um kein Flickwerk, sondern eine bis ins kleinste Detail geplante Herzensangelegenheit handelt. Die Verschmelzung der beiden Spiele funktioniert viel besser, als man es nach der Ankündigung vor einem halben Jahr erwartet hätte.

In den originalen Levels hat die Portal-Gun keinen praktischen Nutzen. Es ist viel mehr so, dass sie das Spielkind in einem weckt und dazu verleitet, bereits tausendfach Gesehenes neu zu entdecken. Der Weg wird zum Ziel, was bei diesem Genre ja eher untypisch ist. Sobald man die neuen Möglichkeiten inklusive Steuerung verinnerlicht hat, offenbart sich das Potential und das Ur-Mario sieht neben diesem Mashup erschreckend blass aus. Der Wiederspielwert von Super Mario Bros. nährte sich in der Regel von Romantisierung und Nostalgie, denn im Grunde genommen konsumierte man lediglich aufgewärmte Erinnerungen an Tage, bevor Hypothekenzins und Prostatavorsorge ins Leben traten. Mit Mari0 gelingt es Maurice Guégan jedoch, dem Klassiker neues Leben einzuhauchen, ohne Abstriche beim Charme in Kauf nehmen zu müssen.

Neben den rekonstruierten Welten gibt es auch ein Portal-Levelpack, in dem neue Grafiken und Elemente zum Einsatz kommen. Hier hat die Portal-Gun nun auch einen praktischen Nutzen, denn ohne sie lassen sich die Puzzles gar nicht lösen.

Das allein würde schon glücklich machen, aber Mari0 hat noch mehr zu bieten: Im komfortablen Level-Editor lassen sich Eigenkreationen in die Wolke laden, der Coop-Modus (Splitscreen, Online-Coop scheint nachgereicht zu werden) treibt bis zu vier Spieler in den Wahnsinn und diverse Modifikationen laden zum Experimentieren ein.

Mari0 ist großartig. Ich bin gespannt, welche Features und Level-Packs (DLC) noch folgen und ob Nintendo und Valve die Füße still halten. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre das ein Video, in dem Shigeru Miyamoto und Gabe Newell gemeinsam ein Spielchen wagen. Es würde ihnen gefallen, da bin ich mir ziemlich sicher.

4 Kommentare zu “Re: Mari0”

  1. Manu
    1

    Also die Orignal-Level gewinnen echt nichts durch die Portal-Gun, aber das Portal-Map Pack ist sehr charmant, ja.

  2. Fabu
    2

    Geschmackssache. Effizientes Spielverhalten ödet mich bei den Original-Levels (inzwischen) tierisch an, deswegen bin ich froh, mit Kanonen auf Spatzen schießen zu dürfen.

  3. Raphael
    3

    Vergiss nicht die Shader! DIE SHADER!

  4. jay
    4

    bei den original-leveln fand ichs bis jetzt auch ziemlich witzlos.

4 Trackbacks zu “Re: Mari0”

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