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Re: 2011 — Spiele

Spiele des Jahres 2011: AAA & Indie

Dennis

Ich habe erst dieses Jahr gemerkt, wie im Endeffekt uninteressant ich viele AAA-Titel finde. Größtenteils perfekt gemachte Unterhaltung, an die ich ein paar Monate später kaum noch einen Gedanken verschwende. Den meisten AAA-Titeln, die ich dieses Jahr so gespielt habe ist gemein, teils geniale Ideen zu haben, die aber unter eine Patina von vielen anderen, weitaus langweiligeren Elementen nicht richtig zur Geltung kommen.

Deus Ex: Human Revolution etwa hat ein Konversationssystem, dass das gesamte Thema des Spiels — die Spannung zwischen Menschlichkeit und maschinenhafter Effizienz — in sich zusammenfasste. Und dann bestand der Rest des Spiels eigentlich aus modernisierten Deus-Ex-Levels. Dragon Age 2 war trotz LGBT-Freundlichkeit für mich eine Enttäuschung, weil es nicht geschafft hat den Protagonisten Hawke glaubhaft zu charakterisieren. Skyrim ist wundervoll wenn die Illusion zerbricht und man lachend zuschaut wie 2500 Käseräder einen Berg runterrollen. Portal 2 hat mich mehr durch gelungenes Sounddesign und den kreativen Einsatz der Source-Engine überrascht als durch Humor oder ausgefallene Spielmechaniken.

In Erinnerung bleiben mir Spiele wie Bastion, To The Moon Frozen Synapse oder Rochard. Spiele, die sich erfolgreich auf einige wenige Dinge beschränken und mehr Liebe im Intro haben als Dragon Age in den handzahmen Sexszenen. Appropos Sex: The Witcher 2 war absolut großartig! Ein ernstes Rollenspiel und das schlicht bessere Game of Thrones.

Dom

Ich habe in 2011 einige AAA-Titel angefangen, ein paar davon beendet und die wenigsten davon lieb gewonnen. Natürlich bin ich beim ersten Einlegen von Arkham City beinahe vor Freude geplatzt und wurde als Fanboy nicht enttäuscht, unterm Strich bot das Batman-Sequel aber nur aufgewärmten Nachschub vom Stoff, den wir schon aus Asylum kannten (und mal ehrlich: Wie nervig ist es bitte, beim Fliegen durch die Stadt immer dieses riesige Gefängnis umschiffen zu müssen? ICH GLAUB’, ES HACKT).

Bezeichnend ist, dass ich Assassin’s Creed: Revelations (aka. Assassin’s Creed 2 Teil 3) bis heute nicht aus seiner Folie befreit habe – weil ich stattdessen mit dem Spiel beschäftigt war, das mir genug bot, um Alternativen zu ignorieren. Saints Row: The Third ist absurd, lächerlich, vollkommen wahnsinnig und funktioniert auf eine völlig realitätsferne Art und Weise so gut wie die wenigsten anderen Titel, die ich bisher spielen durfte. Herrlicher Humor, gut ausgearbeitete Nebenmissionen und die Gabe, sich auch mal selbst aufs Korn zu nehmen, machen es zu meinem AAA-Spiel des Jahres – selbst wenn ich beim Gedanken an lila Riesendildos bis heute nicht gut schlafen kann.

Die Jungs von Avalanche haben bewiesen, dass die Technologie hinter Just Cause 2 auch hervorragend als Vehikel-Shooter aus der Vogelperspektive funktioniert und mit Renegade Ops ein Download-Game abgeliefert, das nur vom großartigen Bastion überboten werden konnte. Letzteres hatte nebenbei dann auch ganz locker den besten Soundtrack des Jahres im Schlepptau – Supergiant Games, ich bin gespannt auf mehr.

Honorable mentions gehen an The Binding of Isaac für die wahnsinnigsten Items in einem Roguelike, an Unepic für die erstaunliche Leistung einer einzigen Person, das epischste und gleichzeitig nerdigste Spiel des Jahres im Alleingang zu entwickeln, und an Terraria für die endgültige Überzeugung, dass ich Minecraft hinter mir gelassen habe.

Jeremy

Portal 2 war toll, Skyrim fraß bereits über 100 Stunden meiner kostbaren Freizeit und Deus Ex: Human Revolution auch, aber das will ja keiner lesen.

2011 war entgegen der gerade grassierenden Apathie ein großartiges Jahr für Indiegames. Man denke da nur an Nifflas’ gewohnt meditativ-wunderschönes Murmelspiel für Wiiware und PC/Mac, NightSky. Oder The Binding of Isaac, Edmund McMillen’s mutiert-verstört-misshandeltes Kind auf der Flucht seiner dämonisch-religiösen Mutter, für das er gerade ein fettes Update schraubt. Es wurde geballert in Really Big Sky, geweint wurde zu To the Moon, Träume entdeckt in TRAUMA, das Hirn verknotet in SpaceChem und stundenlang über den nächsten Zug in Frozen Synapse strategisiert. Kooperativ wurde der viktorianisch kolonisierte Mars in Jamestown gerettet, in Trine 2irgendwas mit Regenbogen.

Es gab Humble Bundles, unheimlich gutaussehende Mech-Kämpfe, neue Voxelwelten, 3D-Canabalt-Likes, Ludum Dares, ein tolles Super Smash Bros. Demake, neue Neurosensträuße von Cactus, Steven Lavelle’s erstes kommerzielles Spiel und ein sehr witziges Spiel, das lediglich aus Sony Move-Controllern und einem Macbook mit Bluetooth besteht.

Viel zu viel zu viel. Ich wünschte wirklich, ich hätte mehr Zeit für all den Kram. Zu viel Zeit verbriet ich mit der IGF Pirate Kart 2012, einer aus der Klik of the Month-Community heraus entstandenes Sammelprojekt für Spiele, die zu klein und/oder zu arm für die $90 Einreichungsgebühr beim Independent Games Festival waren. Heraus kam eine Sammlung von über 300 Spielen, von pervers bis bizarr. Parallel wurden dazu auf Twitter Reviews in 140 Zeichen verfasst, ich sammelte diese dann dort, weil ich nämlich zu viel Zeit habe. Äh.

Minecraft! Fast hätte ich es vergessen. Über ein Jahr ist es nun her, dass wir einen eigenen Server aufsetzten, der dann großzügigerweise bei Gameone erwähnt wurde, was uns dann leider durch den unheimlichen Ansturm an… nicht so erwachsenen Spielern jede Menge graue Haare bescherte. Der Server läuft noch. Wir aktivierten irgendwann eine Whitelist und seitdem ist es angenehm ruhig geworden. Irgendwann kam das offizielle Release, dann vor kurzem mit Version 1.1 nochmal ein paar neue Features. Dass ich selbst den Client startete ist allerdings gefühlte 6 Monate her. Ich bin mir nicht sicher, warum für mich der Reiz verloren ging. Vermutlich ist es einfach Hybris. Minecraft ist immer noch nicht genug Spiel. Ich habe schon alles erlebt. Und vorerst genug vom Spielzeug Minecraft.

Fabu

Trine 2, Unepic und Jamestown wurden bereits erwähnt, deswegen erspare ich uns allen meinen Lobesgesang. 2011 machte ich das erste Mal Bekanntschaft mit Cave Story, genauer gesagt mit Cave Story+. Den Action-Platformer von Daisuke Amaya kannte ich zwar lange vorher durch Videos und Screenshots, doch aus irgendeinem Grund schlug ich erst zu, als eine überarbeitete Version des Spiels auf Steam erschien. Ganz, ganz großes Pixelkino, das verdammt noch mal jeder gespielt haben sollte, der gebaut ist wie ein Pixel.

Und sonst so? Dirt 3, Virtua Tennis 4 und lauter anderen Krempel, den ich aus Imagegründen verschweige. Obwohl … nein, lieber nicht.


Spiele des Jahres 2011: Flash & HTML5

Fabu

Ich kategorisiere gute Browsergames folgendermaßen: Da gibt es Spiele, die mein Herz für fünf Minuten lang stürmisch auf und ab hüpfen lassen, dann aber rasch ihren Reiz verlieren, da großartige Ideen noch lange keine Nachhaltigkeit garantieren. In diese Kategorie gehören beispielsweise Titel wie Wolfenstein 1-D, MFA Prep Course oder die Spiele von Pippin Barr (z.B. The Artist Is Present und Zorba). Solche Experimente finde ich ungeheuer gut und wichtig, weil sie zum kurzweiligen Mitfeiern geistiger Feuerwerke einladen. Inspirierende Momentaufnahmen, ausgelöst durch digitale Kunst. Der Spielspaß verpufft (oftmals gewollt), aber was bleibt ist die Verehrung für den Entwickler.

In eine andere Kategorie kommen Spiele, die vielleicht weniger verrückt, innovativ und kunstbezogen sind, aber im Gegenzug angenehm seicht unterhalten und den Konsumenten über einen längeren Zeitraum an sich binden. Im letzten Jahr waren das bei mir u.a. Kingdom Rush (Tower Defense), Space is Key (Geschicklichkeit), Samegame Fighter (RPG-Puzzle), Zombotron (Action-Platformer) und einige mehr.

Den WTF-Moment des Jahres in Bezug auf Flashgames bescherte mir Bathos. Erst fluchte ich, dann machte es *klick* und mein Kinn schlug auf dem Tisch auf.

Ebenfalls erwähnenswert sind der experimentelle Platformer Alphaland, das lebendige Jump’n’Run Everything Start to Fall, die interaktive Lebenssimulation Convergence, Alight in Dream und das minimalistische Hüpfspiel Fotonica.

Dürfte ich mich selbst mit einem Preis für das beste Browsergame des Jahres auszeichnen, fiele die Wahl ganz klar auf Portal 2. Oder die von Boris Schneider-Johne übersetzte Version von Escape from ASCII Island™.

Dennis

Wie wärs mit dem IGF-nominierten Wonderput? Und jedes einzelne, grausame, fantastische Spiel von Pippin Barr. Und ganz bestimmt Kingdom Rush, das sich in kürzester Zeit zu meinem liebsten Tower-Defense-Spiel gemacht hat.

Jeremy

OMEGA ENFO BLAAAAA. Ehrlich gesagt spielte ich 2011 kaum noch Flashgames. Höchstens Prof. Foddys PoleRiders, oder Krystian Majewskis TRAUMA und Sissy’s Magical Ponycorn Adventure, wenn man die unbedingt dazu zählen möchte.

Dank immer aufwändigeren Optimierungen von Google Chrome und einem nachziehenden Firefox wurden 2011 in JavaScript geschriebene Emulatoren sehr spannend. Alte Spiele, direkt im Browser spielbar, ohne Plugins (man denke da nur an das haarsträubende Java) alte Konsolenplatformen emulieren. Zukunftsmusik? Hier ein voll funktionstüchtiger NES-Emulator. Und, noch besser, hier ein Game Boy Color-Emulator in JavaScript samt HTML5 Drag’n’Drop Support, mit ein paar direkt auswählbaren Spielen. Und wo wir gerade dabei sind: Überhacker Fabrice Bellard schraubte mit jsLinux direkt einen kompletten PC-Emulator, samt Linux. Zukunft!



Fabu

Ich mache es kurz und schmerzlos und lasse alle Spiele weg, die ich zwar einerseits toll fand, bei denen ich andererseits aber nicht das Bedürfnis verspürte, auf Highscore-Jagd zu gehen. Beschränke ich es auf diese Auswahl, fällt enorm viel vom Tellerrand runter.

Übrig bleiben iPhone-Spiele, die man größtenteils als massenkompatibel bezeichen kann — vorne weg EAs FIFA 12. Ich interessiere mich nicht die Bohne für Fußball, aber Fußballspiele begleiten mich seit den 80ern.

League of Evil, ein sehr gelungener Platformer im Stil von Super Meat Boy, entpuppte sich als Spiel, in das ich (gefühlt) am meisten Zeit investierte. Gefolgt von Siege Hero (‘Crush the Castle’ in Ego-Perspektive), Tiny Wings, Touchgrind BMX (BMX-Racer, der mittels Gesten gesteuert wird), Dungeon Raid (spannender Mix aus Puzzle und RPG) und The Heist (Puzzle-Orgie aus dem Hause ‘tap tap tap’).

Unerwartet viel Spaß hatte ich mit Army of Darkness, einem Defense-Spiel, das lose auf dem gleichnamigen Film (1992) von Sam Raimi basiert. Unerwartet, weil ich weder ein großer Fan des Genres noch von Spielfilmspielen bin. Wer den Film kennt und mag und über ein iPhone verfügt, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren.

Die emulierte Amiga-Version von Defender of the Crown zeigt mir einmal mehr, dass Emulation auf dem iPhone nur in der Theorie zu begeistern weiß. Das sind Spiele, die man in erster Linie aus Nostalgiegründen seiner Sammlung hinzufügt, aber in Aktion verpufft der einstige Charme hinter dem kratzfesten Glas des Retina-Displays.

Realistic Summer Sports Simulator, GTA III, Sonic CD und Reckless Getaway sollten ebenfalls gekauft werden. Aber, hey, Finger weg von Tiny Tower!

Dom

Ich benutze mein iPhone größtenteils, um auf Bahnfahrten Musik zu hören, Fotos von süßen Kätzchen anzusehen oder unlustige Tweets in eure Timelines zu spammen, kam im vergangenen Jahr aber auch dazu, ein paar exzellente Spiele dafür anzutesten. Jetpack Joyride ist 2D-Spaß ohne Hirn und viel Anspruch, überzeugt aber durch viel Inhalt und einen hohen Wiederspielwert. Dank Scribblenauts Remix konnten wir endlich auch auf dem iPhone dabei zusehen, wie Jesus auf einem Skateboard mit einer Schrotflinte auf Cthulhu schießt.

Das mobile Spiel, das mich 2011 am meisten überraschte, ist zweifelsohne Sword & Sworcery EP. Weniger Spiel als digitales Erlebnis, dafür aber eine perfekte Mischung aus Retrografik in Kombination mit Elementen zeitgenössischer Spiele, Puzzles und einem sehr gelungenen Soundtrack von Jim Guthrie. Mir ist klar, dass es dem durchschnittlichen iPhone-Spieler (d.h. Angry Birds und die Bierglas-App installiert) nicht viel gibt, doch das hier ist fucking Kunst und ein Muss für jeden iOS-Nutzer.

Jeremy

Anfang 2011 legte ich mir aus Neugierde auf die vielen Exklusivtitel ein aktuelles iOS-Gerät zu und wusste nicht, was ich mir damit antun würde. Gewarnt hatte man mich. Nicht vor den suchtinduzierenden Freemium-Games, sondern vor der ach so miserablen Touch-Steuerung. Das alles würde ja überhaupt nicht funktionieren, gerade für Platformer bräuchte man das Feedback eines echten Knopfes et cetera bla bla. Ganz ehrlich: Das ist meiner Meinung nach eine hartnäckige Lüge. Ein Produkt kognitiver Dissonanz enstirniger Spieler, die einfach keine schweren, fordernden Spiele mehr gewohnt sind.

Mein Liebstes iOS-Spiel 2011, schon allein wegen der fantastischen, perfekten Steuerung: Super Crossfire. Zwar kein Platformer, dafür ein überragender Shooter (der bei weitem zu wenig Aufmerksamkeit bekommt) und die wohl schönste Liebeserklärung an Space Invaders. Ebenfalls sehr gut: Shaun Inmans The Last Rocket, ein kleines, bescheidenes Puzzlespiel mit cleverer Swipe- und Gestensteuerung, statt den veschrienen virtuellen Buttons.

Spiele in loser Reihenfolge, mit denen ich außerdem gerne meine Zeit verschwendete: Continuity 2, Mos Speedrun, Velocispider, Bit Pilot, Forget-Me-Not, Ready Steady Bang und Pix’n Love Rush.

Ich stimme mit in den Chor ein: Superbrothers: Sword & Sworcery EP ist ein Spiel, das jeder, der ein iOS-fähiges Gerät besitzt gespielt, sich zumindest einmal angesehen haben sollte. Ernsthaft. Lasst euch keinen Unsinn von wegen prätentiöser Hipsterscheiße einreden und besorgt euch dieses Spiel. Jetzt.

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