Superlevel

Alphalevel: Prison Architect

Nachdem mir FTL glaubwürdig versichert hat, dass ich meine Karrierepläne als Raumschiff-Captain besser aufgeben sollte, kommt nun das nächste Spiel und macht einen Kindheitsraum gnadenlos zunichte. Bereits die Alpha-Version von Prison Archictect zeigt mir, dass ich auch als Gefängnisdirektor einfach nicht zu gebrauchen bin. Und trotzdem: Prison Architect ist zurzeit eines der vielversprechendsten Spieleprojekte. Ich habe mir die Alpha angeschaut und Chris Delay, dem Lead Designer von Introversion, darüber ein paar Fragen gestellt.

Was Prison Architect ausmacht — noch viel mehr als die merkwürdigen Bugs, die Introversion im Alpha-Trailer ansprechen und dank denen Sträflinge auch mal nackt in den Gemeinschaftsduschen frühstücken — ist der Wille dazu, ein System glaubhaft zu simulieren. Obwohl Prison Architect erst in der Alpha-Version ist, fühlt sich der Kernteil des Spiels, der Aufbau eines Gefängnisses erstaunlich solide an. Energie- und Wasserversogung muss sichergestellt, Sträflinge vernünftig untergebracht und genügend Personal eingestellt werden. Und das alles mit einem ziemlich knappen Budget. Überraschend hingegen ist, dass Prison Architect in dieser fortgeschrittenen Fassung quasi aus dem Nichts gekommen ist, nachdem Introversion eigentlich seit Jahren an einem Bankeinbruchssimulator gearbeitet haben. Lead Designer Chris Delay verrät warum.


Prison Architect ist ja ein relativ neues Projekt von Introversion. Wie kam es überhaupt dazu? Hattet ihr nicht nach den Darwinia-Spielen ursprünglich mal einen Bankeinbruchssimulator geplant?

Ja, genau. Wir haben seit Jahren an Subversion gearbeitet, aber irgendwie hat das einfach nicht gepasst. Es gab keinen Moment, wo wir das Spiel hätten starten können und damit Spaß gehabt hätten. Ich war ziemlich kaputt deswegen. Aber dann war ich auf Urlaub in San Francisco und habe eine Tour in Alcatraz gemacht. Das war der Moment, wo ich verstanden habe, dass der Bau eines Gefängnisses ziemlich viel Spaß machen könnte. In Subversion bist du in High-Tech-Gebäude eingebrochen und musstest ihre Sicherheitssysteme besiegen. Prison Architect stellt also das ganze Konzept von Subversion auf den Kopf. Der Spieler gestaltet die Levels und das Spiel versucht, sie zu besiegen.


In der ersten Mission geht es um einen Mann , der auf die Todesstrafe wartet und die Spieler müssen einen elektrischen Stuhl installieren. Die Geschichte wird in kleinen, geskripteten Sequenzen erzählt. Das war wirklich stark, aber wie viel von solchen Sequenzen wird es im fertigen Spiel geben? Werdet ihr euch auf solche Story-Missionen konzentrieren oder lasst ihr die Geschichte aus den Regeln des Spiels heraus entstehen?

Prison Architect besteht aus zwei Elementen: Der Story-Kampagne und dem Sandkastenmodus. In der Story gibt es Cutscenes und Ziele, die erfüllt werden müssen. Das wollen wir dazu benutzen, uns mit den großen Fragen des Gefängnissystems zu beschäftigen, aber gleichzeitig auch, um Spielern die einzelenen Systeme des Spiels beizubringen. Der Sandkastenmodus dagegen wird völlig offen sein und Spieler können bauen, was sie wollen.


Was ist euer großes Ziel mit Prison Architect? Welche Herausforderung soll es an eure Spieler stellen?

Unser Ziel für den Sandkasten-Modus ist es, alle Arten von Gefängnissen zulässig zu machen. Vom rechtskonservativen Höllenloch zum linksliberalen Ferienparadies und alles dazwischen. Die Spieler sollen dann die Probleme und Fragen dieser Systeme selber erforschen. Sie sollen mit denselben Problemen konfrontiert werden wie echte Gefängnisse, mit Überbelegung und Budgetknappheit.


Ich empfand das Spiel als ein ziemlich schwarzhumoriges, zynisches Werk. Es erinnert ja an Spiele wie Theme Park oder Theme Hospital, bei denen es das Ziel ist, Menschen glücklich zu machen. In Gefängnissen ist das aber weitaus komplexer, weil sie als Orte für Bestrafung wahrgenommen werden und Sträflingen somit Komfort abgesprochen wird. Aber das ist wahnsinnig, weil es hier um Menschenrechte und ein Minimum an Lebensqualität geht. Wie versucht ihr, diese Fragen im Spiel anzugehen?

Ja, das ist uns wichtig, dass wir uns damit beschäftigen. Im ersten Level geht es ja direkt schon darum, dass du dich nicht ausnehmen kannst von den ethischen Fragen einer Hinrichtung, auch wenn du bloß der Mensch bist, der das Gefängnis gebaut hat und es verwalten muss. Gefängnisse erfüllen gleich mehrere gesellschaftliche Funktionen. Sie bestrafen, aber sie beschützen auch die Bevölkerung vor gefährlichen Menschen. Gleichzeitig sollen sie Sträflinge rehabilitieren. In unterschiedlichen Staaten haben diese Elemente eine unterschiedliche Gewichtung. Wir wollen, dass sie alle eine Rolle spielen, aber die Spieler selbst sollen entscheiden, was ihnen daran besonders wichtig ist.


Prison Architect für PC, OSX und Linux befindet sich zurzeit in einer spielbaren Alpha-Version. Einen Zugang gibt es auf der offiziellen Webseite ab 30 Dollar. Im Preis enthalten sind alle zukünftigen Updates und das fertige Spiel.

16 Kommentare zu “Alphalevel: Prison Architect”

  1. Fabu
    1

    Coole Sache, die Alpha sieht schon sehr vielversprechend aus. Interessant finde ich, dass sich trotz des für Indie-Verhältnisse hohen Preises viele Käufer finden. Und das ganz ohne Kickstarter.

  2. Teo
    2

    Das sieht extrem interessant aus. Theme Hospital habe ich damals solange gespielt, bis ich nach jedem Ablecken eines Joghurtdeckels die Hoffnung hatte unsichtbar zu werden! 30 Flocken sind allerdings eine stattliche Summe. Das muss ich alter Knauser mir nochmal durch den Kopf gehen lassen (Früher oder später werde ich es eh kaufen, das weiss ich jetzt schon).

  3. Dennis
    3

    Hehe, ja, kann ich voll verstehen mit dem Kaufpreis. Wird wahrscheinlich ja dann auch billiger zu haben sein, sobald es draußen ist. Es soll halt echt eher eine Sache sein von wegen a) Entwicklung unterstützen und b) Bugs finden, Features testen etc.

    Wenn man darauf Bock hat, ist das total gut, wenn nicht ist es im Moment vergleichsweise viel Geld.

    Wir werden da aber auf jeden Fall regelmäßig vorbeischauen und berichten, wie das weitergeht mit Prison Architect.

  4. Michael
    4

    Ich findes wirklich interessant, gerade weil in dem “Aufbau Gnere” leider nichtmehr all zu viel passiert und ich Oz erst vor nicht all zu langer Zeit gesehen habe.
    Aber 30$ ist für heutige Verhältnisse wirklich viel Geld. Allein heute kommen mit The Walking Dead Episode 4 und Devils Attorney zwei Spiele die günstiger (zweiteres sogar deutlich) sind, die ich haben möchte und von denen ich mir einige Stunden Unterhaltung verspreche.

    Bei 15$ hätte ich vermutlich sofort zugeschlagen. Jetzt denke ich mir, vieleicht später, werde es vergessen und den jungs vermutlich “nie” Geld zukommen lassen. Schade.

  5. Michael
    5

    Oh ja, und den Banküberfall Simulator hätte ich auch gerne. Ich warte seit Ewigkeiten darauf das sich jemand “The Clue!” annimmt.

    http://en.wikipedia.org/wiki/The_Clue!

    • Dennis
      6

      Mhja, wie gesagt: Scheint schon relativ bewusst gewählt zu sein der Preispunkt. Ich finde es persönlich auch zu teuer. Letztlich hätten sie wahrscheinlich auch einen Kickstarter machen können oder zumindest die Preise den ganzen erfolgreichen Kickstarter-Projekten angleichen können.

      Trotzdem, das hier wird groß. Wenn es endlich rauskommt, dann wird es sicherlich genug Reviews etc. geben, um nochmal daran zu erinnern.

      Und eine Heist-Sim wäre auch total super. Es gibt ja Payday: The Heist, das ist aber ein Shooter, der an Left4Dead erinnert. Yahtzee hat mal das tolle Trilb: The Art of Thefty gemacht, ein Heist-Plattformer. Sehr vielversprechend finde ich gerade aber Quadrilateral Cowboy, eine Cyberpunk-Hacker-Heist-Sim. Sowas wie Der Clou! gab es aber echt seit längerer Zeit nicht mehr.

  6. mandaya
    7

    schönes interview! mir fehlt nur der verweis auf dwarf fortress, so dass ich -- schluck -- gar befürchten muss, du hast -- gasp! -- dieses kleinod bisher nicht erlitten? say it ain’t so.

  7. Nico
    8

    Bin durch FTL iwie auf Prison Architect gestoßen. War schon mehrere male kurz davor mir das Spiel zu kaufen. Aber die 30 $ halten mich bisher ab. Daher werde ich erstmal FTL alle Raumschiffe freispielen (oder zumindest versuchen), um dann das Spiel trotzdem demnächst zu kaufen ;)

  8. Wollmichkuh
    9

    Der Preis ist momentan bei mir ebenfalls noch der Grund, nicht direkt zu zuschlagen.
    Bei so einer Aktion liegt für mich glaube ich der Knackpunkt, um $20, ab dem ich mehr vom Spiel oder der Entwicklung sehen muss.

    Bei Kickstarter halte ich es ähnlich, wer kein Gameplay zeigen kann oder eine erste Demo hat, muss bei mir als Entwickler schon auf der “Bedenkenlos kaufen” Liste stehen und die ist nicht sehr lang.

    Wenn es das $35 Angebot für 30 gegeben hätte, sehe die Geschichte aber vielleicht ganz anders aus, Goodies alla Soundtrack und Artbooks sind immer ein gutes Argument. :)

  9. Michael

    Das internet hat mir verraten das der Preis so hoch ist um “schnäpchenjäger” ab zu halten. Nur wirklich interessierte tester. Das finale spiel wird wohl mehr richtung 15$ gehen aber erst in einem Jahr oder so parat sein. Wie offiziel diese aussagen waren weis ich allerdings nicht.

    Gibt ein paar nette letsplays bei youtube um trotzdem einen Eindruck bekommen zu können.

    Ansonsten muss ich sagen das Walking Dead Episode 4 viel zu gut ist.

  10. Dennis

    @mandaya:

    Schuldig. Ich liebe es über Dwarf Fortress zu lesen, aber ich habe nie die Zeit gefunden, mich damit eingehend zu beschäftigen. Morgens habe ich manchmal in den Spiegel geblickt und mir gedacht: Hoffentflich findet das keiner raus. Und…jetzt ist es soweit. Irgendwie…fühl ich mich befreit. Aber! Prison Architect simuliert deutlich weniger als Dwarf Fortress (aber welches Spiel kann von sich behaupten, es mit DF auch nur annäherend aufnehmen zu können)

    @Michael @Wollmilchkuh

    Man könnte jetzt natürlich kritisch sein und sich denken “Hey, es ist überteuert UND die Leute erwarten Arbeit von mir? Ist das GamersGlobal oder was?” und irgendwo mag das stimmen, aber ich kann die Entwickler schon verstehen. Sie BRAUCHEN anscheinend dank den tausenden Humble Bundles, in denen die Introverseion-Spiele drin waren, das Geld nicht so dringend und die limitierte Anzahl an Spielern verringert die Mühe für sie, groß angelegtes Community Management zu betreiben. Gerade die Menschenmassen sind es ja, die viele Entwickler bei Kickstarter unterschätzen. Das hier soll alles ein bisschen exklusiver sein. Ich kann das respektieren. Gleichzeitig ist es natürlich total verständlich, wenn man da nicht sofort 30 Dollar reinschmeißen mag. Genug zu spielen gibt es ja: XCOM, Dishonored, War of the Roses, Retro City Rampage, Walking Dead…ogott! Herbst, du Monster!

  11. Wollmilchkuh

    @Dennis
    Das mit der Exklusivität ist zumindest nicht so aufgegangen. :D
    http://www.gamasutra.com/view/news/179127/Who_Needs_Kickstarter_Prison_Architect_devs_want_total_control.php

    ~8.000 Käufer und über $270.000 sind zumindest eine stattliche Summe.

    Sehr interessant ist, das sich doch sehr viele für die $50 Variante entschieden haben. Zeigt wirklich sehr schön, dass es nicht nur immer Kickstarter sein muss. Ein gutes Konzept, Gameplay und bekannte Entwickler, schon kann das auch so funktionieren.

  12. Michael

    Das ist vielleicht gar keine so schlechte Entwicklung. So Geschichten wie OUYA und Project Obsidiant gehen mir bei Kickstarter ziemlich auf die nerven weil sie so “corperate” sind. Ich würde mich schon drüber freuen wenn die Plattform auf lange eine Platform der kleinen wird um sie in den Mittelpunkt zu rücken. (So wie Star Command, FTL, Castle Story, Sealark ect.)

    So gerne ich Projekt Eternety von Obsidiant weiter Backen möchte so sehr möchte ich doch sagen das es mir auf die eier geht wie sies angehen… du bekommst nur “eine” Kopie des Spiels… DRM Free bei GOG, oder Steam (die ja auch schon beginnen Mac und PC im verkauf zu trennen) -- nichts alla Humble Indy Bundle -- und kannst inzwischen schon ein Addone vorbestellen obwohl das Finale Budget noch nicht einmal fest steht UND das Spiel bisher nur aus Hype und Brainstorming besteht. -- Dafür das man den Herren 100% der einnahmen des fertigen Produktes und die rechte an der IP schenkt finde ich das schon mehr als nur ein wenig dreist.
    _
    Vieleicht ist es besser wenn sich bekanntere Spielehersteller auf Dauer dort ausgliedern. Unterm strich sparen sie dadurch ja obendrein die 10% Gebühren ein was hoffentlich als zusätzliche Motivation funktioniert.

  13. political-correctness

    fangen jetzt leute an, ihre eigenen digitalen KZ-zu bauen!? i do not approve of this game!

    (im ernst, ich finde das etwas .. bedenktlich..)

  14. Fabu

    Absolut. Und indem man in der Intromission einen Menschen hinrichten muss, wird der Zwiespalt auf die Spitze getrieben.

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