Don't Starve

Vielleicht hatte der hässliche Schweinemann Recht, als er mich glauben machen wollte, zwischen Leben und Tod lägen beizeiten nicht mehr und nicht weniger als ein paar Rosenblätter und ein Stück Kot.
Ich zittere. Schon bald legt sich die Nacht übers Land.
Auch der fünfte Tag meiner Reise durch düstere Steppen und Wälder barg keinerlei Erklärung für meine missliche Lage. Wer zur Hölle war die knöcherne Gestalt, die mich hier aussetzte? Schon mehrere Stunden suche ich vergebens nach essbaren Beeren. Ob ich eines dieser unschuldigen Häschen einfangen und im Feuer garen könnte? Ich würde mittlerweile… alles tun, um meine Zähne in einer warmen Mahlzeit zu versenken. Alles… um nicht zu verhungern.
Die bloße Vorstellung, dass es mir sehr bald sehr ähnlich ergehen könnte, lähmt mich förmlich. Hin und wieder höre ich sie in den Baumkronen zischen… Wäre ich nur nicht so schwach, so kläglich ausgerüstet… Ich könnte eine Waffe anfertigen. Gegen die Achtbeiner kämpfen… und als Held st—-


Irgendwo zwischen Tim Burton und Henry Selick, zwischen Robinson Crusoe, Minecraft und auf Pappe ausgedruckten und ausgeschnittenen Kackehaufen… Da findet sich Don’t Starve, ein weiterer neuer Titel aus dem Hause Klei Entertainment, der sich thematisch recht weit von seinen Action-Geschwistern Shank und Mark of the Ninja entfernt und eher auf Erkundung und Survival abzielt.

In einer seltsamen Welt ausgesetzt muss sich der Gentleman und Wissenschaftler Wilson um Hinweise auf einen Ausweg, vor allem aber um den nackten Kampf ums Überleben bemühen. Die ersten Minuten Spielzeit werfen nicht nur einige Fragen auf – nicht zuletzt, weil es weder ein Tutorial noch viel erklärenden Bildschirmtext gibt – sondern bergen auch etliche Gefahren, die es zu bewältigen gilt.
Von bösartigen Wesen in der Wildnis über die Finsternis der Nacht bis zum Hunger des Protagonisten ebnen unzählige Elemente des Spiels den direkten Weg in Richtung Tod. Um das Ableben zu verzögern müssen Rohstoffe geerntet, Werkzeuge und Waffen hergestellt, Feuer gemacht und Nahrung beschafft werden. Ressourcenmanagement spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie das Setzen von Prioritäten: Nutzt man die hellen Stunden im kurzen Tag-Nacht-Zyklus um zu jagen, Holz zu fällen und die eigene Basis auszubauen oder lieber um loszuziehen und einen Fluchtweg zu suchen?
Bei all den Faktoren, die Wilson das Leben schwer machen, sind Interface und Steuerung in Don’t Starve angenehm simpel gehalten. Crafting-Anleitungen sind einfach bebildert, ein Linksklick sorgt in den meisten Fällen für die nötige Aktion. Durch Mechaniken, die trotz ihrer Reduziertheit viele Möglichkeiten und Spielweisen offen lassen, sowie zufällig generierte Welten ist jede (anfang sehr kurze) Runde einzigartig. Je nach Situation und Präferenz wird man Bauer, Handwerker, Gärtner, Forscher, Krieger… oder alles zugleich. (Ich habe mich nebenbei erwähnt eine Runde lang als Vegetarier versucht und hatte sehr mäßigen Erfolg.)
Als Cartoon-Abstraktion von Survival-Spielen wie Minecraft und DayZ ist Don’t Starve für mich ebenso spaßig und erfrischend wie herausfordernd und ein bedingungsloser Anspieltipp für alle mit Lust aufs, äh, Überleben. Welche Wunder das Spiel wohl birgt, wenn ich es erst mal schaffe, länger als vier Tage durchzuhalten?
Wir verlosen drei Codes unter allen, die uns in den Kommentaren verraten, wovor sie sich in einem Spiel bisher am meisten gefürchtet haben. Einsendeschluss ist morgen (Dienstag), 23:59 Uhr. Der Rechtsweg ist ein Angsthase. Das Gewinnspiel ist beendet. Davraider, Fl0rian und Stonejackit werden in der Wildnis zurückgelassen. Herzlichen Glückwunsch!

16 Kommentare zu “Don't Starve”
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Am meisten gefürchtet bei einem Spiel habe ich mich immer, als ich noch keine Xbox hatte und auf dem PC installieren musste. Oft ging das Spiel dann nicht. Das war Horror!
Das Spiel hört sich doch mal interessant an. Solch ein Stil ist auch nicht sehr oft anzutreffen und erinnert mich doch irgendwie an alte Tage, an gute alte Tage :)
Also ich fürchte mich davor, dass das Spiel nicht gut sein wird. Ihr könnt mich gerne vom Gegenteil überzeugen! ;)
Wie herrlich meta ihr wieder seid. <3
Da brauche ich nicht lange überlegen. Shit, meet pants: http://laurencoupe.files.wordpress.com/2011/03/26908-126996-maniacmansion1png-620x.jpg
Ich weiss noch, dass ich damals bei Half Life 2 ein paar mal die Maus weggeschmissen habe, aber nicht mehr genau, weshalb, daher nehme ich mal das zweite, was mir da einfällt: Lone Survivor.
Ich spielte das in einem abgedunkelten Zimmer mit Kopfhörern. Machte meine ersten Schritte im Spiel und erwartete jeden Moment das Grauen. Dann traf ich den ersten Zombie, überlebte ihn, wähnte mich in Sicherheit. Dann öffnete jemand die Zimmertür in meinem Rücken und tippte mir auf die Schulter. Anschließend entschuldigte ich mich für die Backpfeife.
Bei DeadSpace hab ich mich vor jedem einzigen Monster gefürchtet ^^
Darf zwar nicht mitmachen, aber egal:
Beschwörer ärgster Ängste, Priester persönlicher Phobien: Lands of Lore II, die Dracoid Ruins. Ich so unterwegs mit einer Axt, die der Herrgott selbst zum Spalten des Mariannengrabens hätte brauchen können, furchtlos, mächtig, und dann… war alles so fürchterlich dunkel. Und grausam still. Und als dann der erste Gegner mich hinterrücks anfiel, war mir der Stiel meiner Axt doch nicht der erhoffte Rückhalt. Ich dennoch drauflosgedroschen, was die Zeigefingersehne hergab, Funken stoben, und… plötzlich war ich tot.
Nächster Anlauf, die Dunkelheit ballt sich um mich mich zusammen, mein Magen in mir, ich schleiche vorwärts, vorsichtiger, sehe von Ferne ein Monster und versuche ihm höflich aus dem Weg zu gehen. Es ist weniger höflich, es kommt zum Handgemenge, ich teile aus, das Monster scheint beeindruckt, und… plötzlich ich tot.
Von diesem Moment an hatte ich Schiss. Richtig, übel, Schiss. Der auch nicht mehr wegging, weil: Mit mir ging es nicht mehr vorwärts. Diese Scheissruinen sollten mein Grab werden. Bis dann, irgendwann später, aus purem Zufall, mein Bruder mitbekam, dass die heilige Aggro-Axt, die ich niederkommen liess auf die Schädel meiner Gegner wie der Presslufthammer des Jüngsten Gerichts, mit selbst bei jedem Hieb Energie absaugte. Und zwar massiv.
Die Ruinen wurden also nicht zu meinem Grab, sondern zur Werkzeugkiste für das unheilige Ding, und ich hatte doch noch das Privileg, das vermutlich übelste Schlussvideo der 90er-Jahre zu sehen. (Bettlaken inklusive. Wenigstens die blieben trocken.)
Der erste Grusel überkam mich beim C64-Spiel “Friday the 13th”.
Der SID pfiff schaurigschöne Orgelmusik , aber immer wenn Jason ein Opfer fand, gellte ein so markerschütternder Schrei aus den Boxen, dass mir das Blut in den Adern gefror.
Bald schon musste ich ohne Ton weiterspielen und natürlich nur noch tagsüber.
Forbidden Forrest war auch gruselig, aber dort musste die Musik anbleiben. Das Spiel lebte ja schließlich davon.
Pokemon Blue,… Als kleiner Knirps dann diese schlimme Musik
http://www.youtube.com/watch?v=JNJJ-QkZ8cM
Baphomets Fluch 2 -- Jedes mal wenn der Killer aufgetaucht ist, im darauffolgenden Todeskampf zu versagen.
Ich hab mich oft erschreckt oder gegruselt, allerdings vergisst man vieles wieder. Der letzte böse Erschrecker (2 mal) war bei:
Broken Sword, in einer Hintergasse kann man in einenm Mülleimer schauen dabei springt eine schwarze Katze raus.
Ich hab keine Angst vor bösen Dingen hinter Schirmen (ganz ehrlich).
Keine Angst vor der Dunkelheit? Röcheln in der Ferne? Schockmomente mit Leichenteilen? Amnesia? Project Zero? Der mittlerweile bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter ausgelutschte Slenderman?
Ich finde dieses grüne Wesen im Hintergrund von Super Ghouls’n'Ghosts ja EXTREM unangenehm. Warum, weiß ich auch nicht. http://d.pr/i/2R2k
Thief: Deadly Shadows. Weisenhaus. Irrenhauszombieartiges. Geschirr klappert. Kinderweinen in der Ferne. Du suchst Spielzeug und findest immer mehr Hinweise einer Tragödie. Halbdunkel. So fucking gruselig. Atmosphärisch ist mir bis heute nichts besseres begegnet.
Konnte nicht weiterspielen, sondern musste dieses Kapitel von wem anders beenden lassen.
Ich erzähle das nur, weil mir der Sketchbooklook von Don´t starve so gut gefällt. <3
Gerade nachgeschaut, ob der von mir angepriesene C64 Grusel-Titel “Friday the 13th” sein Grauen behielt oder ob ich im zarten Grundschulalter einfach schreckhafter war.
Nö, wirkt immernoch:
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=VPx2OTcatJ8#t=386s
C64-wiki.de schreibt dazu:
[..] Hinzu kommt noch das digitale Todeskreischen, eines der schlichtweg haarsträubendsten Geräusche in der Computerspielgeschichte überhaupt.
http://www.c64-wiki.de/index.php/Friday_the_13th
Gewinne sind raus, viel Spaß beim Spielen. :)